Gemeindebrief

Ausgabe: August / September 2018

Kirche

Evangelische Kirchengemeinde Steinheim

Gemeindebrief

 

Liebe Leser
unseres Gemeindebriefes!

Was für eine Reise!

Seltsam ist ihm zumute – dem mächtigen Minister aus Äthiopien. In wenigen Tagen wird er wieder in Saba zurück sein. Nie hätte er gedacht, dass diese Reise, die er für seine Königin angetreten hatte, sein Leben einschneidend verändern könne. Nun – früh am Morgen besteigt er das Gefährt, das ihn vom Nahen Osten nach Afrika zurückbringen soll.

In seinen Gedanken ist er noch ganz bei den zurückliegenden Tagen. Ja, es waren schwierige Verhandlungen in Jerusalem. Er hatte zu spüren bekommen, wie sehr die führenden Kräfte in Israel unter der römischen Besatzung zu leiden haben. Wie sehr aber auch dieser Jesus von Nazareth, den die Römer gekreuzigt hatten, Spuren hinterlassen hat. Sein Mut lebt augenscheinlich fort, nicht nur in den Herzen einiger versprengter Anhänger. Der Glaube an ihn scheint sich auszubreiten. Kein Wunder eigentlich – denn dieser Jesus hatte sich den Menschen zugewandt, nicht mit der Kälte eines Herrschenden, sondern mit der Geduld und der Liebe eines guten Freundes.

Seltsam, welche Gefühle den Minister nun bei Anbruch der Reise bewegen . Eine Mischung aus Unruhe und Erwartung. Was würde passieren, wenn er in wenigen Tagen zurück an dem Hof seiner Königin komme? Ob sie, bekannt auch für ihren Jähzorn, seine Verhandlungen mit Israel begrüßen würde? Oder ob ihn die geballte Wut der Herrscherin gar das Leben kosten könnte? Gleichzeitig war da diese Freude, wieder daheim zu sein -, diese große Sehnsucht nach der vertrauten Umgebung, der vertrauten Sprache, den köstlichen Speisen seines Landes.

Nun, unterwegs von Jerusalem Richtung Süden, versucht er seine Gedanken zu ordnen. Aber das gelingt ihm nicht. Bilder seiner gütigen, aber oft auch grausamen Königin ziehen vor seinen Augen vorbei, aber auch die Erinnerungen an die Tage in Jerusalem und die Geschichten über diesen unglaublichen Jesus. Könnte mit ihm tatsächlich eine neue Zeit begonnen haben, wie ganz offen in Jerusalem gesagt wurde?

Da fällt sein Blick auf Philippus. Der begleitet den Reisewagen des Ministers schon eine Zeit lang, bis der ihn bemerkt. Philippus wird eingeladen, ein Stück mitzufahren. Das lässt der sich nicht zweimal sagen.
Seltsam – die Gedanken und Gefühle des mächtigen Afrikaners beginnen sich zu sortieren. Sind es die Erzählungen des Philippus? Ist es seine strahlende Fröhlichkeit, die Wärme seiner Stimme, die Begeisterung mit der er von seinen Erfahrungen mit Jesus erzählt?

Die Stunden vergehen. Ein Gefühl, das der mächtige, aber auch ängstliche Minister bisher nicht gekannt hat, stellt sich ein. Seine Sorgen verschwinden. Er fühlt sich erleichtert. Ist es sein Mitreisender, dieser Philippus? Oder ist es noch ein anderer, vielleicht dieser Jesus, von dem dieser Philippus so mitreißend erzählt?

In der Apostelgeschichte (Kapitel 8) erzählt der Evangelist Lukas: der Minister bittet Philippus um die Taufe. Rasch findet sich eine Wasserstelle, dem Wunsch wird entsprochen. Anschließend heißt es : „ … er zog seine Straße fröhlich“.
Wir wissen nicht, ob für den Minister nun ein neues Leben beginnt. Aber es ist gut möglich, dass seine Ängste verschwunden sind. Ob er spürt, was der Glaube an Gott bewirken kann? Ob sein Interesse an Jesus bestehen bleibt? Ob er jetzt ein besserer Minister ist?

Eine besondere Reise – eine besondere Begegnung. Ich wünsche Ihnen und euch, auf allen Reisen, die in diesem Sommer unternommen werden, gute Begegnungen – mit Gott und mit Menschen.

Ihr/euer Pastor Ulrich Beimdiek

 

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