Gemeindebrief

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April – Mai – Juni 2020

Liebe Leserinnen und Leser,

Liebe Gemeinde,

Drei Frauen sind auf dem Weg zum Grabe Jesu. Sie wollen den Toten einbalsamieren, wie es üblich war. Trauer umschließt ihr Herz. „Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ (Mk. 16, 3) Besorgt fragen sie sich, ob sie überhaupt zu Jesus vordringen können. Für sie ist er tot und jede Hoffnung verloren. Nun geht es nur noch um das, was eben nach dem Tod eines Menschen zu tun ist. Das Grab wird verschlossen sein. So verschlossen wie das Herz der drei Frauen, die trauern und nichts mehr von der Zukunft erwarten.
Auch für uns sind manchmal Zugänge verschlossen, so fest und scheinbar endgültig wie das Grab des Gekreuzigten. Wir wollen unser Ziel erreichen. Nicht selten geben wir aber unterwegs die Hoffnung auf. Sie könnte enttäuscht werden. Die drei Frauen fragen nur nach dem Stein, nicht nach der Zukunft. Wie sie verspüren wir oft fehlende Zuversicht, ja Ratlosigkeit bei manchen Aufgaben und Entscheidungen. Wir suchen nach Wegen. Finden wir sie?
Drei Frauen wollen nur das Übliche tun, alles Weitere ist offensichtlich undenkbar. Wir tun das Übliche, kommen aber allein kaum weiter auf der Suche nach dem, was uns hilft. Während wir noch suchen, und während die drei Frauen das Grab erreichen, verändert sich alles. Der Stein ist weg. Das Grab ist leer. Noch sind sie voller Angst. Noch in Gedanken in der Vergangenheit. Doch bald wird sich Trauer in Gewissheit wandeln: Jesus lebt. Wir werden es weitersagen: Er ist auferstanden.
Das Grab ist leer, und die Welt ist verwandelt. Es ist Ostern. Leben, Glaube, Freude entfaltet sich. Jesus lebt, der Tod ist besiegt. So erleben es Menschen, die sich auf ihn einlassen. Er verändert das Leben, weil er auf uns zukommt und wir seine Nähe zulassen. Die Ostergeschichten, die Erfahrungen der Zeugen nehmen unsere Gedanken, Fragen und Zweifel ernst. Sie wollen nicht einfach überreden, an etwas zu glauben, das schwer zu begreifen ist. Stattdessen wollen sie von Menschen erzählen, die erst große Angst haben, später aber glauben können, dass Jesus auferstanden ist. Sie wollen von den Jüngern erzählen, die erst zweifeln, später aber darauf vertrauen können, dass Jesus sie weiter begleitet. Bald können sie bekennen: Er lebt! Er blieb nicht im Tod! Wir begegnen ihm. Seine Worte und Taten erfahren wir gerade jetzt!
Ein Stein rollt beiseite – ein Stein fällt vom Herzen. Alte Sorgen bedrängen mich nicht mehr. Die Angst, einsam zu sein, wenig beachtet oder gehört zu werden. Nicht überall „mithalten“ zu können. Denn mit Jesus bestehe ich, allen Widerständen zum Trotz. Mit ihm bekommt das Leben eine neue, hoffnungsvolle Richtung. Wenn wir uns in schwierigen Situationen fragen, was würde Jesus jetzt raten, welche Entscheidung würde er treffen, dann bleiben wir nicht allein mit unseren Fragen und mit unserer Angst. Wir erleben, dass Menschen bezeugen: für mich ist Jesus lebendig! Für mich wirkt er und begleitet mich in allen Fragen meines Lebens.
Wir zögern – ähnlich den Menschen, von deren Ostererfahrung die Bibel erzählt. Dass Jesus auferstanden ist, darauf vertrauen manche Menschen erst nach einiger Zeit. Jesus lebt als der, den Gott nicht im Tod gelassen hat. Er ist in dieser Welt. Er lebt – auch in unserer Liebe, in unserem Glauben. Osterglaube will mutig machen, er will alles Zögern hinter sich lassen, er bringt verlorene Hoffnung zurück, er gibt uns Kraft, Neues zu wagen.
Vor Ostern lag der Stein vor dem Grab. Da lagen uns persönlich Sorgen auf der Seele. Da schmerzte uns ein schwerer Abschied, da sorgten wir uns um eine vielfach bedrohte Welt. Mit Ostern gerät die Welt in Bewegung. Jesus, der Auferstandene, lässt uns selbst für das Leben aufstehen und ohne Angst die nötige Verantwortung übernehmen. Gott lässt uns nicht allein. Er trägt uns. Darauf vertrauen wir.
Der Herr ist auferstanden – gerne lassen wir uns das zu Ostern gesagt sein. Er gibt uns hilfreichen Trost am Grab eines Angehörigen. Jesus Christus stärkt unser Vertrauen in den Gott, der die Todesgrenze überwunden hat und dem wir unsere Lieben beim Abschied anvertrauen. Sie finden bei Ihm Geborgenheit. Jesu Auferstehung lässt uns an die Auferstehung der Toten glauben.

Liebe Gemeinde, in einigen Wochen werde ich als bisheriger Pfarrer in Steinheim verabschiedet. Mir kommen Menschen vor Augen, die ich taufen und konfirmieren durfte. Die ich begleitet habe an besonderen Tagen ihres Lebens. Die wir zu Grabe getragen haben. Die mir freundlich und auch kritisch begegneten. Als lebendige Gemeinde sind wir uns bis heute gewiss, dass Ostern Steine ins Rollen bringt, dass es Mauern und Gräben überwindet. Ostern bedeutet neues Vertrauen und tiefe Geborgenheit.
Ich freue mich, Sie bald zu meiner Verabschiedung aus dem aktiven Dienst begrüßen zu dürfen. Ich freue mich auch auf jede Begegnung „danach“, denn ich werde Mitglied unserer Gemeinde bleiben.
Miteinander bekennen wir: der Stein ist weg. Die Zukunft ist da.
Deshalb mag ich diesen Liedvers:
“Vertraut den neuen Wegen, / auf die uns Gott gesandt! / Er selbst kommt uns entgegen. / Die Zukunft ist sein Land. / Wer aufbricht, der kann hoffen / in Zeit und Ewigkeit. / Die Tore stehen offen. / Das Land ist hell und weit.” (EG 395,1)

Ihnen/Euch allen ein frohes und gesegnetes Osterfest!

Ihr/euer Pastor Ulrich Beimdiek

 

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